Seine Gedanken zur Jahreslosung 2026

Siehe, ich mache alles neu!

hat Pfarrer Martin Kornfeld in seiner Predigt am Altjahrsabend mit den Besuchern des Gottesdienstes geteilt:

 

Dieser Satz gehört zum Schönsten, zum Tiefsten, das die Bibel in Aussicht stellt. Alles wird neu  –  und natürlich denken wir daran und hoffen wir darauf, dass alles besser, erträglicher, gerechter, friedlicher wird.

Wir werden in wenigen Stunden den Übergang vom alten zu einem neuen Jahr feiern. Vielleicht lassen wir voll Übermut die Böller krachen  –  die übertönen sogar unsere Angst; Vielleicht ziehen wir uns zurück und schweigen; es wird ja doch nichts besser – das fürchten wir – und das nicht ohne Grund.

Also noch einmal zum Anfang: ist dieser Satz nun wirklich das Schönste, das Tiefste, das uns die Bibel vor die Augen malt und vor die Seele stellt? Oder melden sich nun nicht doch die Zweifler, die Realisten zu Wort: mit dem Vorwurf an uns, die Christen?  ‚Ihr gaukelt uns Zustände vor, die es noch nie in der Geschichte unserer Welt gegeben hat. Ihr Schwärmer! Ihr Utopisten!‘

Ich bitte, dass wir beiden Meinungen ihr Recht lassen. Wir jetzt hier im Gottesdienst in der Rothemühler Kirche, wir bringen doch alle ein wenig Hoffnung mit, es möge alles wenigstens etwas besser werden. Wir spüren doch alle ein Stückchen Glauben daran, Gott möge sich durchsetzen. Es möge nicht nur Himmelsmusik sein, was Boten in der Weihnachtsnacht aus der Herrlichkeit Gottes in das Elend und in die Traurigkeit vorn Menschen tragen:

Ehre sei Gott in der Höhe

            Friede auf der Erde

            Den Menschen Wohlergehen

 

Ich habe mich gefragt, wer denn diese gute, diese beste Nachricht

Ich mache alles neu

wer diese Zukunftsmusik zuerst gehört, behalten, bejubelt, dafür gedankt hat.

Ich vermute, das waren Leute, die am Ende waren; die es einfach leid waren; die es nicht mehr aushielten, herumgestoßen zu werden. Die so nicht mehr leben wollten. Die Gott noch zutrauten, dass er genau das meint, was er sagt; die Gott zutrauten, dass er genau das  t u t  , JA!  t u t , was er sagt:

Ich mache alles neu

Ich gestehe, dass ich mich in dieser Schilderung auch selber beschrieben habe  –  und ich habe Menschen vor Augen gehabt, die ich kenne. Was brauchen wir denn mehr als ein Machtwort eines Mächtigen? Was brauchen wir denn mehr als eine Liebe, die alle umfängt?

Ich mache alles neu

Ich bitte euch sehr, die Umgebung unserer Jahreslosung für das für das vor uns liegende Jahr 2026 anzusehen und anzuhören und zu bedenken.

Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, von Gott aus dem Himmel herabkommen.

Ein erster Hinweis:

Der neue Himmel, die neue Erde kommen von Gott. Gott macht sich auf. Das sind Klänge, die uns von Weihnachten bekannt sind. Gott macht sich auf. Gott verlässt seinen Himmel. Gott will zu Hause sein und er will zu Hause bleiben, wo wir wohnen. Wir müssen nicht behaupten, wir könnten das Neue selbst bauen. Und wir müssen uns auch nicht betrügen mit dem Irrtum, wir hätten das Neue bereits geschaffen.

Ein zweiter Hinweis:

           Und ich sah die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen.

Die Stadt, ein Ort der Sehnsucht. In die Städte strömen sie: die Armen, die Benachteiligten, Flüchtlinge  –  die größten Städte auf dieser kleinen Erde finden wir in Asien: Tokio, Jakarta. Jerusalem heißt die Heilige Stadt  – und  die Stadt, in der Gott wohnen will. Wohnen will er da. Und weil er Gott ist, bringt er mit, was er hat: Barmherzigkeit  –  Friede  –  Liebe.

Ich bin unsicher, ob die heutige Stadt mit diesem Namen dem entspricht, was Gott will. Aber ich bin sicher, dass Gott auch das Jerusalem, das uns solche Not bereitet, einbeziehen will in seine Zukunftspläne.

Der dritte Hinweis:

Gott, der aus seiner Höhe herabkommt, wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein.

Schlagt doch in der Bibel zu Hause den Anfang dieses 21. Kapitels der Offenbarung auf, da steht: sie werden sein  V o l k  sein. An wen mögen die Übersetzer bei ihrer  – falschen – Übersetzung gedacht haben? Vielleicht an das Volk Israel? Vielleicht an die Christenheit?

Wörtlich steht hier etwas, was unsere Gedanken auf eine völlig andere Linie drängt:

Gott wird bei ihnen wohnen  – und sie werden seine  V ö l k e r  sein.

Gott will, Gott wird seinen Willen, seine Herrschaft ausdehnen auf alle Völker.

Und der 4. Hinweis schildert das Neue, die Zukunft Gottes, und was .sie für alle bedeutet: Wie sieht es aus, das Neue?

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein ….

Wer am Bett eines Sterbenden auf ein Ende wartet, wer das Ende fürchtet oder das Ende ersehnt, der weiß, was das bedeutet könnte: Gott will die Tränen abwischen. Tränen sind die Folgen von Schmerzen, von Angst, von Hilflosigkeit – von Verlassenheit – So sieht es jedenfalls bei uns, an den Sterbebetten in unseren Häusern, Kranken – Häusern und Pflegeheimen aus: Gott wird Tränen abwischen … welche Aussicht.

Und was bedeutet dieses Versprechen: Gott wird Tränen abwischen – in der Welt, die uns täglich vor Augen steht? Tränen sind die Folgen von Grausamkeit, von Vertreibung, Flucht. Tränen abwischen!

Siehe, ich mache alles neu.

Das ist Gottes Versprechen für heute, für das Jahr 2026. Darauf warten wir.

Siehe, ich mache alles neu.

Das Lied unter der Nummer 147 atmet und bejubelt diese Hoffnung. Schlagt es auf: Gloria sei dir gesungen  (Vers 3).

Das kostbare Kunstwerk in unserer Rothemühler Kirche ist dieses Fenster. Günter Johl  –  so heißt der Künstler – hat die neue Welt Gottes darstellen wollen.

Bevor unser Organist das „Gloria sei dir gesungen“ in der Vertonung von Johann Sebastian Bach erklingen lässt, wollen wir es gemeinsam lesen

Von zwölf Perlen sind die Tore
an deiner Stadt; wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
kein Ohr hat mehr gehört
solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
das Halleluja für und für.
dir das Halleluja für und für.

Gott spricht: Ich mache alles neu

Gott steht vor uns – wir gehören zu seinen Völkern. J A !

Amen.